Jesus über den Mut
- zambodora
- 14. März 2021
- 3 Min. Lesezeit
- Auszug aus dem Roman von Martin Fieber, Der Zurückgekehrte, Ein Roman über Jesus Christus und die Santiner, Bergkristall Verlag GmbH / Amra Verlag, 2009, S. 521-523 https://www.amraverlag.de/.../DER-ZURUeCKGEKEHRTE-Ein...

“Nach langen, fast endlosen Stunden, machten sich die Epheser endlich auf den Heimweg. Der Römer vor ihnen grüßte noch und verschwand dann mit seinen Freunden. Jesus wartete noch, bis es etwas ruhiger und leerer geworden war. Sie gingen zum Ausgang und traten vor das Stadion. Sie lamen gerade dazu, wie die Gladiatoren zusammenstanden und sich über ihre Kämpfe unterhielten. Es waren um die dreißig. Sie waren mittlerweile gewaschen und trugen wieder ihre Alltagskleidung, aber an ihrem Körperbau erkannte man, dass sie Gladiatoren waren. Jesus wollte gerade an ihnen vorbei, als ein älterer Grieche auf ihn zugelaufen kam.
“Bist du nicht Jesus, der Wunderheiler?”, fragte er.
“Bist du es nun oder nicht?”
“Man sagt es, dass ich es sei.”
“Das freut mich aber, dich hier zu treffen.” Mittlerweile hatte sich die Familie des Griechen um ihn versammelt.
“Findest du nicht, dass diese kämpfenden Männer sehr mutig sind?” Nun wurden auch die Gladiatoren auf die piepsige Stimme des Griechen aufmerksam.
“Meinst du wirklich, dass kämpfende Männer mutig sind? Vor allem, wenn sie das Risiko eingehen, verletzt zu werden?”, fragte Jesus den Griechen.
“Ja, in meinen Augen, ist das Mut.”
“Oder ist das nicht eher Dummheit?” Jesus wusste, dass die Provokation Aufsehen erregte. Aber manchmal waren die Griechen und Römer in solch einer Dumpfheit gefangen, dass man sie anders nicht herauslocken konnte, um ihnen Seelenimpulse mit auf ihren Lebensweg zu geben.
“Willst du damit sagen, dass wir Gladiatoren dumm sind?” Ein großer stämmiger Mann baute sich vor Jesus auf. Es war einer der Großschildner.
“Du hast es so empfunden. Ist es wirklich Mut, wenn ihr bei jedem Kampf riskiert, dass ihr verletzt werdet? Ist es wirklich Mut, euch vor tausend Menschen zu stellen und mit einem Kollegen zu kämpfen, der vielleicht euer Freund ist? Ist es wirklich mutig, sich hier in Ephesos freiwillig zum Gladiator ausbilden zu lassen, während in Rom Sklaven und Gefangene tausendfach dazu gezwungen wurden, Gladiator zu werden, da es ihre einzige Chance ist, ihr Leben zu verteidigen?” Einige aus der Menge grummelten vor sich hin.
“Du bist mutig, hier in dieser Runde solche Reden zu schwingen.” Ein Rufer aus den hinteren Reihen brachte die Menschen zum Lachen. “Ja, das stimmt, was soll das?”
“Ich frage euch: Wo ist der Mut eines Gladiators?” Jesus lächelte in die Runde.
“Vor dem Tod keine Angst zu haben”, sagte einer.
“Zu wissen, von dem Schwert oder einer Lanze durchbohrt zu werden”, sagte ein anderer.
“Die Stärke zu haben, gegen einen körperlich stärkeren Kämpfer bestehen zu können”, meinte ein dritter.
“Klar ist das mutig … das sieht doch jeder Blinde … komische Frage…”
Aufgrund der vielen Meinungen konnte Jesus sehen, dass dies ein Thema war, das viele Menschen in Ephesos und wahrscheinlich der ganzen römischen Welt bewegte.
“Was ist Mut für dich, Jesus?” Der Grieche meldete sich wieder zu Wort. Es wurde still um Jesus. “Wenn du solche Worte verwendest, dann möchte ich auch deine Meinung hören.”
“Wollt ihr die wirklich wissen?” Jesus blickte in viele interessierte Augenpaare.
“Natürlich … sprich endlich … fang an.”
“Mut ist es, seine Schwächen anzuschauen. Mut ist es, seinen Freunden seine Schwächen einzugestehen. Mut ist es, nach einer Beleidigung dem anderen zu vergeben, obwohl man immer noch den Schmerz fühlt. Mut ist es, allen Menschen unvoreingenommen gegenüberzutreten. Mut ist es, den Gegner zu lieben und nicht zu verachten. Mut ist es, die Frau zu respektieren und nicht nur zu benutzen. Mut ist es, so zu sein, wie man ist und nicht so, wie einen die Leite haben wollen.” Jesus merkte, dass sie Ausführungen genug waren.
Alle Anwesenden waren verstummt. Kein Atmen war zu hören. Solche Worte hatte diese Menschen nocht nicht gehört. Auch die Kämpfer sahen Jesus mit offenen Mündern an. Er spürte, dass bei den Gladiatoren einer dabei war, den seine Worte nicht unberührt ließen. Jesus nutzte diese Situation und sprach weiter: “Hat ein Gladiator wahrhaftig den Kampf gewonnen, wenn er hier in der Arena einen Kollegen bezwingt, aber den Kampf gegen seine egoistischen Grfühlre verliert? Hat er wirklich gewonnen, wenn er sein Schwert an die Kehle des Gegners setzt, aber sich einige Stunden später im Bordell eine Frau nimmt wie ein Tier? Ist nicht der Mann ein wahrer Gladiator, der sich für die Armen, für die Schwachen, für die Unterdrückten einsetzt und die Übermächtigen besiegt? Ist nicht der Mann ein wahrer Gladiator, der seine dunklen Gefühöe besiegt und seine lichtvollen Gedanken den anderen Menschen wie Fackeln zeigt? Ist nicht der Mann ein wahrer, heroischer Gladiator, der die anderen Menschen liebt und sie nicht bekämpft, nur weil sie anders aussehen oder sprechen?” Jesus schaute in die Runde. Er fühlte, dass die Diskussion damit beendet war.
Jesus gab Johannes, Thaddäus und den anderen ein Zeichen, zu gehen. Als sie das Viertel des Stadions verlassen hatten und in Richtung hafen gingen, lachte Jesus. Er hatte gerade gesehen, dass ihre kleine Gruppe um eine Person angewachsen war. Ein Gladiator hatte sich ihnen angeschlossen.”


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